Vereinswanderung 2016

DIF-Wanderer auf vergangenen Spuren in Oberwesel

Informative Stadtbesichtigung mit anschließendem Weingenuss

Vordergründig sieht der »Deutsch-Italienische Freundeskreis Budenheim-Isola della Scala e.V. 1990« seine Hauptaufgabe in der Pflege der Partnerschaft zwischen der Heimatgemeinde Budenheim und Isola della Scala am Flüsschen Tartaro gelegen, unweit von Verona. Dazu gehören die jährlichen Treffen in den Partnergemeinden und die gegenseitigen Besuche beim Budenheimer Straßenfest und beim Reisfest in Isola della Scala.

Zur Pflege des gesellschaftlichen Miteinanders arbeitet der Vorstand im Spätjahr unterschiedliche Herbstwanderungen aus, die in diesem Jahr von Renate Benitz und Maria Neufels geplant wurden. Mit der Mittelrheinbahn ging es am vergangenen Sonntagmorgen nach Oberwesel, wo die 33-köpfige Wandergruppe an der Liebfrauenkirche bereits von den zertifizierten Welterbegästeführern Birgit Wessels und Harald Büchel erwartet wurden.

Die Liebfrauenkirche zählt zu den bedeuteten gotischen Kirchen im Rheinland, die ein Hort wahrer Kunstschätze aus vergangener Zeit ist. Hervorzuheben wäre hier der Goldaltar, der einer der ältesten Schreinaltäre in Deutschland ist. Der dreiflügelige Altar ist wie die Fassade einer gotischen Kathedrale gestaltet, mit prächtigen Rosen, Wimpergen, Pfeilern und Arkaden ausgestattet. In zwei Zonen übereinander stehen vor dem Goldgrund die farbig gefassten Figuren. Sie verkünden vom Erlösungswerk Gottes an den Menschen.

Am Zehnerturm, dem jüngsten Turm der Stadtbefestigung, gingen die Gästeführer auf die Geschichte der heute etwa 3.000 Einwohner zählenden Stadt Oberwesel ein. Der einstige Zollturm zählte zu den 22 Türmen, die in der etwa 3000 m langen Stadtmauer integriert waren. Teilweise ist die Stadtmauer elf bis sechzehn Meter hoch, die von den Budenheimern über eine kurze Wegstrecke begangen wurde.

Ein Schmunzeln löste jene Geschichte vom geprellten Teufel aus, der statt eines Weinfasses ein solches mit Weihwasser gefülltes erhielt. Er habe am Marktplatz so feste auf den Boden gestampft, dass er sein Hufeisen verlor, was heute noch dort zu sehen ist.

Die Nachbildung einer Tretmühle war auf dem Schönauer Hofplatz zu bestaunen, während die alte Schmiede von Josef Becker in der Untergasse beim traditionellen Fest des „mittelalterlichen Spektakulums“ in Betrieb genommen werde. Die einstige Wernerkapelle, die erhaben über der Stadtmauer steht, wurde im Jahr 2008 unter das Patrozinium der seliggesprochenen Franziskanerin Rosa Flesch gestellt und in Mutter-Rosa-Kapelle umbenannt.

Die beiden Gästeführer gewährten einen informativen Einblick in die Baugeschichte von Oberwesel, der allerdings den Budenheimern keineswegs reichte. Nach der Stärkung aus dem Rucksack begleitete Renate Benitz, unterstützt von Maria Neufels, die Gruppe auf die bergan führende Stadtmauer, vorbei an den Türmen zur Martinskirche, die allerdings geschlossen war. Es war ein auf- und absteigen, bis man den Stadtmauergarten erreichte, um dann auf der letzten Wegstrecke einen Blick auf die Überreste des Minoritenklosters zu werfen.

Dass zum regenbegleiteten Stadtrundgang, vor allem zur leiblichen Erbauung der Wein gehört, versteht sich. Geschafft und dennoch froh gelaunt kehrte man als fröhliche Weingenießer, wenn auch nur für etwa zweieinhalb Stunden, in das Weingut von Ute und Johannes Hoffmann ein.

 

Heribert Schäfer

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